Ratgeber · Websites für Weingüter
Ein Weingut ist kein normaler Betrieb, und eine Weingut-Website ist keine normale Firmenseite. Hier steht, woran das liegt, welche Inhalte du wirklich brauchst und was du vor dem ersten Gespräch schon für dich klären kannst.
Warum eine Weingut-Website anders funktioniert
Die meisten Firmenwebsites zeigen ein Angebot, das sich selten ändert. Ein Weingut hat drei Dinge, die es davon unterscheiden: Der Bestand wechselt jedes Jahr, ein Teil des Geschäfts passiert vor Ort und ein Teil per Versand – und der Betrieb ist untrennbar mit einer Familie, einer Lage und einer Geschichte verbunden.
Praktisch heißt das: Eine Seite, die nach dem Livegang eingefroren wird, ist nach dem nächsten Jahrgang veraltet. Und eine Seite, die nur das Sortiment auflistet, verkauft nichts – weil der Grund, warum jemand bei dir kauft und nicht im Supermarkt, gar nicht vorkommt.
Das ist der Punkt, an dem die meisten Weingut-Websites scheitern. Nicht am Design. An der Frage, ob die Seite den Betrieb erzählen kann und ob sich der Jahrgangswechsel in einer Stunde erledigen lässt.
Die Inhalte, die wirklich gebraucht werden
Nach vielen Weingutsprojekten ist die Liste erstaunlich stabil. Was auf keiner Seite fehlen darf:
- Die Weine – mit Sorte, Jahrgang, Lage, Restzucker und Alkohol, jeder Wein auf einer eigenen Seite. Nicht als PDF-Preisliste, die niemand am Handy öffnet.
- Der Betrieb – wer ihr seid, seit wann, wie viel Hektar, welche Lagen, wie ihr arbeitet. Das ist der Teil, den Google inzwischen ebenso liest wie der Kunde.
- Ab-Hof-Verkauf und Öffnungszeiten – die meistgesuchte Information überhaupt, und die, die am häufigsten veraltet ist.
- Heurigen- oder Verkostungstermine, wenn es sie gibt – als pflegbare Liste, nicht als Bild vom Aushang.
- Anfahrt und Kontakt – Adresse als Text, nicht nur als Kartenbild, damit Google und Navi damit umgehen können.
- Auszeichnungen und Presse, wenn vorhanden – kurz und belegt, nicht als Ehrenwand.
- Bilder, die den Betrieb zeigen – Lagen, Keller, Menschen, Flaschen. Dazu gleich mehr.
Shop oder kein Shop?
Die Frage kommt in jedem Erstgespräch, und die Antwort hängt nicht am Budget, sondern daran, ob ihr versenden wollt. Ein Shop, der zweimal im Jahr eine Bestellung bringt, ist kein Gewinn – ein Shop, über den Stammkunden im Herbst ihre Kartons nachbestellen, zahlt sich innerhalb einer Saison.
Wenn ihr euch unsicher seid: Es gibt einen sinnvollen Zwischenschritt. Die Weine bekommen ordentliche Produktseiten, aber statt Warenkorb steht dort ein Bestellformular oder eine Reservierung zur Abholung. Wird daraus Nachfrage, lässt sich der echte Shop später aufsetzen, ohne die Seite neu zu bauen.
Wenn ihr versendet, wird der Shop schnell zum wichtigeren Teil des Projekts als die Website. Was dabei alles zu klären ist – Gebinde, Versandkosten, Altersnachweis, Lieferung ins Ausland – steht im eigenen Beitrag zum Weinversand.
Die Fotos entscheiden mehr als das Layout
Das klingt aus dem Mund von jemandem, der beides macht, verdächtig – ist aber der ehrlichste Rat, den ich geben kann: Eine mittelmäßig gestaltete Seite mit guten Bildern wirkt besser als eine perfekt gestaltete mit Handyfotos vom Verkostungstisch.
Bei Weingütern hängt das an drei Bildgruppen: Flaschenfotos, die im Shop und in Preislisten funktionieren, freigestellt und in gleicher Optik über den ganzen Jahrgang. Betriebs- und Lagenfotos, die zeigen, wo der Wein herkommt – im Idealfall zur richtigen Jahreszeit und Tageszeit fotografiert, teils aus der Luft. Und Menschenbilder, weil Wein über Menschen verkauft wird.
Wichtig ist die Reihenfolge: erst fotografieren, dann gestalten. Eine Seite, die um vorhandene Bilder herum gebaut wird, sieht immer nach Kompromiss aus.
So läuft so ein Projekt ab
Der Ablauf ist bei fast allen Weingutsprojekten gleich, und er dauert je nach Umfang zwischen sechs Wochen und einem halben Jahr – meistens hängt es an den Fotos und an der Jahreszeit.
- Erstgespräch: Was verkauft ihr wie, wer kommt zu euch, was ärgert euch an der jetzigen Seite. Eine Stunde, kostenlos, ohne Verpflichtung.
- Struktur: Welche Seiten es gibt und was auf jede gehört. Das ist die Phase, in der die meisten Missverständnisse entstehen oder verhindert werden.
- Fotos: Termin am Betrieb, meist ein bis zwei Tage, plus Flaschenaufnahmen im Studio.
- Texte: Ich schreibe einen Vorschlag, ihr lest gegen. Erfahrungsgemäß deutlich schneller als „ihr schreibt, ich gestalte“.
- Umsetzung: Aufbau in WordPress, bei Bedarf mit WooCommerce als Shop.
- Einschulung: Eine Stunde, in der ihr lernt, wie ihr einen Jahrgang wechselt, einen Termin einträgt und ein Foto tauscht.
- Livegang und danach: Weiterleitungen der alten Adressen, Google-Anmeldung, Updates und Backups.
Was du vor dem ersten Gespräch klären kannst
Nichts davon ist Pflicht – aber je mehr davon geklärt ist, desto konkreter wird das Gespräch:
- Wollt ihr versenden, und wenn ja: nur in Österreich oder auch nach Deutschland?
- Wie viele Weine sollen online stehen – das ganze Sortiment oder eine Auswahl?
- Wer pflegt die Seite später? Eine Person im Betrieb, oder soll das extern laufen?
- Gibt es brauchbare Fotos, und wie alt sind sie?
- Habt ihr Zugang zu Domain und Hosting, oder liegt das bei jemandem, den niemand mehr erreicht? (Das ist häufiger, als man denkt.)
- Gibt es eine bestehende Kundenliste oder einen Newsletter?
- Was soll die Seite in einem Jahr geschafft haben – mehr Ab-Hof-Kunden, mehr Versand, weniger Telefonate wegen Öffnungszeiten?
Der Fehler, der am meisten kostet
Nicht das falsche Design und nicht das falsche System. Sondern: niemand im Betrieb kann die Seite pflegen, und die Agentur ist nach dem Livegang nicht mehr erreichbar.
Ich baue Weingutsseiten deshalb so, dass ein Jahrgangswechsel eine Aufgabe für eine halbe Stunde ist – Wein anlegen, Daten eintragen, Foto einsetzen, fertig. Und ich bleibe erreichbar, weil die Seiten, die ich vor zehn Jahren gebaut habe, größtenteils immer noch laufen und betreut werden.
Weingut, das eine neue Seite braucht?
Erzähl mir im Erstgespräch, was ihr macht und was euch an der jetzigen Seite fehlt. Danach weißt du, was sinnvoll wäre – auch wenn du es woanders machen lässt.