Ratgeber · Websites
Ich baue WordPress-Seiten und Shops. Trotzdem ist WordPress nicht für jeden Betrieb die richtige Antwort. Hier steht, woran sich das entscheidet – und wann ein Baukasten die vernünftigere Wahl ist.
Warum die Frage überhaupt so schwer ist
Beide Seiten der Debatte argumentieren aus Eigeninteresse. Baukastenanbieter werben mit „in einer Stunde online“, Agenturen warnen vor „Abhängigkeit“ – und beides stimmt ein bisschen und ist gleichzeitig kein Argument.
Die brauchbare Frage lautet nicht „was ist besser“, sondern: Was soll die Seite in drei Jahren können, und wer wird sie dann betreuen? Danach beantwortet sich der Rest fast von selbst.
Wann ein Baukasten ausreicht
Es gibt Fälle, in denen ich Betrieben aktiv davon abrate, mich zu beauftragen. Nämlich dann, wenn alle diese Punkte zutreffen:
- Die Seite hat unter zehn Unterseiten und soll das auch bleiben.
- Es gibt keinen Shop, keine Terminbuchung, keine Anbindung an ein anderes System.
- Es gibt jemanden im Betrieb, der gern selbst herumprobiert.
- Die Seite muss nicht gegen ernsthafte Konkurrenz in der Google-Suche antreten.
- Ein laufendes Monatsabo stört nicht.
Wann WordPress die vernünftigere Wahl ist
Umgekehrt gibt es fünf Punkte, an denen ein Baukasten in der Praxis regelmäßig an seine Grenze kommt:
- Eigene Datenstrukturen. Weine mit Jahrgang, Lage und Restzucker. Immobilien mit Fläche, Zimmern und Energieausweis. Veranstaltungen mit Datum und Ort. Baukästen kennen Seiten und Blogbeiträge – alles andere wird zu Handarbeit.
- Shop mit eigener Logik. Versand nach Gebinde statt Gewicht, Staffelpreise für Wiederverkäufer, Veredelungsoptionen, Mandantenshops. Standardshops rechnen Standardfälle.
- Schnittstellen. Warenwirtschaft, Kassensystem, Buchhaltung, Newsletter, Reservierungssystem – WordPress hat für fast alles eine Anbindung oder lässt sich eine bauen.
- Suchmaschinen unter Konkurrenzdruck. Baukästen können SEO grundsätzlich, aber wenn es um umkämpfte Suchbegriffe geht, zählt Kontrolle über Ladezeit, Struktur, strukturierte Daten und Weiterleitungen.
- Eigentum an der eigenen Seite. Bei WordPress liegen Daten, Inhalte und Gestaltung auf einem Hosting, das euch gehört. Ihr könnt den Betreuer wechseln, ohne die Seite neu zu bauen. Das ist kein ideologisches Argument, sondern ein handfestes – ich habe mehr als eine Seite übernommen, deren voriger Betreuer nicht mehr erreichbar war.
Die Kostenfrage, ehrlich beantwortet
Ein Baukasten kostet monatlich und dafür fast nichts am Anfang. Eine WordPress-Seite kostet am Anfang mehr und danach nur Hosting plus Wartung. Über fünf Jahre gerechnet nähern sich die Zahlen an – aber das ist nicht der eigentliche Punkt.
Der eigentliche Punkt ist, was ein Umbau kostet. Wenn eine Baukastenseite an ihre Grenze stößt, ist die Antwort meistens: neu bauen, woanders. Bei WordPress ist die Antwort meistens: erweitern. Was das jeweils kostet, hängt vom Umfang ab – deshalb steht auf dieser Seite auch nirgends ein Preis, sondern es gibt ein Gespräch.
Der Punkt, den fast alle unterschätzen
Nicht die Technik entscheidet über den Erfolg einer Seite, sondern die Frage, ob sie nach dem Livegang jemand pflegt.
Ich habe Baukastenseiten gesehen, die gepflegt wurden und deshalb liefen, und ich habe teure Agenturseiten gesehen, die seit vier Jahren dieselbe veraltete Öffnungszeit anzeigen. Das ist der Unterschied, der zählt – und deshalb frage ich im Erstgespräch immer zuerst, wer die Seite später betreuen wird.
Wenn die Antwort „niemand“ lautet, ist das kein Ausschlussgrund. Dann bauen wir die Seite so, dass sie ohne Pflege möglichst lange richtig bleibt, und die laufenden Aktualisierungen übernehme ich.
Wie ich es halte
Ich arbeite mit WordPress, weil die Betriebe, mit denen ich zu tun habe – Weingüter, Gastronomie, Hotellerie, Handwerk, Handel in Niederösterreich – fast immer mindestens einen der fünf Punkte oben haben. Ein Weingut braucht Weine als eigene Datenstruktur. Ein Handelsbetrieb braucht einen Shop, der mehr kann als Produkte auflisten. Ein Hotel braucht eine Anbindung an sein Buchungssystem.
Und wenn im Erstgespräch herauskommt, dass keiner dieser Punkte zutrifft, sage ich das auch. Ein Auftrag, der drei Jahre später als Fehlkauf empfunden wird, nützt niemandem.
Unsicher, was für deinen Betrieb passt?
Im Erstgespräch gehen wir die fünf Punkte durch. Danach weißt du, was du brauchst – auch wenn die Antwort lautet, dass es kein Projekt braucht.