Ratgeber · Produktfotografie
Die Frage kommt fast immer erst, wenn der Shop schon steht. Dabei entscheidet sie mit darüber, ob er verkauft – Produktfotos sind im Onlinehandel das, was im Geschäft das Auslegen der Ware ist.
Was ein gutes Produktfoto technisch leisten muss
Ein Produktfoto ist kein schönes Bild, sondern ein Werkzeug mit klaren Anforderungen. Wenn diese fünf Punkte stimmen, funktioniert es – unabhängig davon, wie es entstanden ist:
- Freigestellt oder auf gleichbleibendem Untergrund. Sobald zwei Produkte nebeneinander unterschiedliche Hintergründe haben, wirkt der Shop unsortiert – auch wenn jedes Bild für sich gut ist.
- Gleiche Perspektive und gleicher Abstand. Der Kunde vergleicht Produkte, und sein Auge vergleicht zuerst die Bilder.
- Farbe stimmt. Bei Textilien, Etiketten und Lebensmitteln entscheidet das über Retouren.
- Genug Auflösung zum Hineinzoomen. Ein Etikett, das man lesen kann, verkauft besser als eines, das man erahnt.
- Ein Detailbild. Verschluss, Naht, Material, Rückenetikett – das Bild, das die letzte Unsicherheit ausräumt.
Wann Selbermachen die richtige Antwort ist
Es gibt Fälle, in denen ein eigenes Setup sinnvoller ist als jeder Fotograf: bei ständig wechselndem Sortiment, bei Einzelstücken, bei Gebrauchtware, bei Betrieben, die jede Woche neue Artikel einstellen.
Dafür braucht es kein Studio. Ein Fenster mit Nordlicht, ein Stück weißer Karton als Aufheller, ein Stativ und ein Handy mit ordentlicher Kamera bringen erstaunlich weit – wenn die Position gleich bleibt. Der entscheidende Trick ist nicht die Ausrüstung, sondern die Wiederholbarkeit: Markierungen am Tisch, gleiche Uhrzeit, gleiche Einstellungen.
Was dabei fast immer fehlt, ist das Freistellen. Automatische Freisteller aus dem Handy sind bei geraden Kanten brauchbar und bei Glas, Haaren, Glanz und Transparenz unbrauchbar. Genau da fängt die Arbeit an, für die es Erfahrung braucht.
Wann Selbermachen Umsatz kostet
Umgekehrt gibt es Produkte, bei denen eigene Fotos regelmäßig teurer sind als ein Shooting – weil sie schlicht nicht gut aussehen können:
- Glas und Flaschen. Wein, Spirituosen, Öl, Essig, Kosmetik im Glas. Glas spiegelt alles, was im Raum steht, und lebt von gesetzten Lichtkanten. Das ist der klassische Fall, bei dem der Unterschied zwischen Handyfoto und Studioaufnahme sofort sichtbar ist.
- Alles Glänzende. Metall, Lack, Folienprägung auf Etiketten.
- Lebensmittel. Frische ist eine Frage von Licht und Timing, nicht von Nachbearbeitung.
- Textilien mit Farbnuancen. Wenn das Grau im Shop anders aussieht als in der Hand, kommt die Ware zurück.
- Produkte, die teuer sind. Je höher der Preis, desto stärker prüft der Kunde das Bild – und desto mehr kostet ein schwaches Foto.
Der Zwischenweg, den die meisten übersehen
Es muss keine Entscheidung für immer sein. In der Praxis funktioniert eine Aufteilung fast immer am besten: Die Fotos der Kernprodukte – jene zwanzig Prozent, die achtzig Prozent des Umsatzes machen – entstehen professionell und werden über Jahre verwendet. Alles Kurzlebige oder Nebensächliche fotografiert der Betrieb selbst, im gleichen Aufbau und mit den professionellen Bildern als Vorlage.
Damit das aufgeht, gebe ich bei solchen Shootings meist die Eckdaten mit: Hintergrund, Ausschnitt, Perspektive, Abstand. Dann fügen sich spätere eigene Bilder in dieselbe Optik ein, statt aufzufallen.
So wird ein Shooting effizient
Der teuerste Teil eines Fototermins ist nicht das Fotografieren, sondern das Warten. Wer vorbereitet ist, halbiert den Aufwand.
- Ware sauber und vollzählig bereitstellen. Bei Flaschen: fingerabdruckfrei, Etiketten gerade geklebt, möglichst zwei Exemplare je Artikel.
- Liste mitschicken, welche Artikel fotografiert werden – mit Artikelnummern, damit die Dateien nachher zuordenbar sind.
- Vorab klären, wofür die Bilder gebraucht werden. Shop, Katalog, Social Media und Großformat brauchen unterschiedliche Formate; das lässt sich in einem Durchgang miterledigen, aber nicht nachträglich.
- Hintergrund und Stil einmal festlegen, nicht pro Produkt entscheiden.
- Entscheidungsbefugte Person erreichbar halten. Eine Rückfrage per Telefon dauert zwei Minuten, eine Rückfrage per Mail zwei Tage.
Was mit den Bildern danach passiert
Ein häufiger Fehler: Die Fotos kommen in voller Auflösung in den Shop und machen die Seite langsam. Produktbilder gehören auf eine sinnvolle Größe gebracht, in ein modernes Bildformat konvertiert und mit einem beschreibenden Dateinamen und Alternativtext versehen – letzteres, weil Produktbilder über die Bildersuche einen erstaunlichen Teil des Verkehrs bringen.
Wenn Fotografie und Shop aus einer Hand kommen, passiert das automatisch. Wenn nicht, ist es die Frage, die du dem Shopbetreuer stellen solltest.
Produkte, die nach mehr aussehen sollen?
Zeig mir, was du verkaufst. Im Erstgespräch sage ich dir, was sich selbst fotografieren lässt und wo sich ein Termin im Studio wirklich rechnet.